Chronik der Familie Sondermann

Martha Gisbertha Isabella Helena Heckmann


Martha Gisbertha Isabella Helena Heckmann, jüngstes Kind der Emma Sondermann (1848-1930) und des Oskar Heckmann (1836-1910), wurde am 8. Dezember 1885 in Hau bei Kleve geboren. [1]

Ehe mit Friedrich Wilhelm Julius Reinhard

In Hau bei Kleve (oder Kleve oder Essen?) heiratete Martha Heckmann am 8. Oktober 1907 Friedrich Wilhelm Julius Reinhard. [2]

Julius Reinhard wurde zwischen dem 23. und 29. Juli 1876 in Oberhausen als Sohn des Friedrich Wilhelm Julius Reinhard und der Elise Grillo geboren. [3]


Die Schwiegermutter Elise Reinhard geb. Grillo war eine Tochter des Unternehmers Wilhelm Theodor Grillo.


Der Schwiegervater Julius Reinhard (1833-1901) war studierter Maschinenbau-Ingenieur, Stadtrat von Oberhausen (ab 1875 bis zu seinem Tod), Kreistagsabgeordneter des Kreises Mülheim an der Ruhr (ab April 1888 bis zum 1. April 1901), Vorstand der Oberhausener Wasserwerk AG (ab Mai 1881) sowie ab 1888 Direktor (mit Prokura) der "Wilhelm Grillo Gasfabrik". [4] Nach dem Tod des Wilhelm Theodor Grillo (Großvater des Ehemanns Julius Reinhard) wurde der Schwiegervater Julius Reinhard ab 1890 Gesellschafter und Alleinvertretungsberichtigter der "Wilhelm Grillo Gasfabrik". Seine aktive Tätigkeit für die Gasfabrik endete um 1900, denn im August 1900 wird er als Rentner bezeichnet. [5]


Das Ehepaar Heckmann-Reinhard blieb kinderlos. [6]

I. Weltkrieg

Julius Reinhard diente vermutlich in der Reichswehr im I. Weltkrieg. In seiner Sterbeanzeige wird er als Leutnant der Reserve im Eisenbahnregiment Nr. 2 bezeichnet. Er war Träger des Eisernen Kreuzes II. Klasse. [7]

Tätigkeiten des Julius Reinhard

 Am 25. Oktober 1906 wurde ins Handelsregister Essen die Gründung der Rhein. Hammerwerke GmbH mit Sitz in Essen-Rüttenscheid. Gegenstand des Unternehmens war "[...] die Übernahme und Weiterführung der bisher unter der Firma der offenen Handelsgesellschaft Brune u. Kapesser zu Essen von den Fabrikanten Ernst Brune und Karl Theodor Sölling zu Essen in Essen-Rüttenscheid betriebene Fabrik, eine Filialwerks, welches von deren in Essen betriebenen Hauptwerks abgetrennt werden soll, insbesondere die Fabrikation und der Betrieb von Schiedestücken und Preßteilen aller Art, ferner die Anlage, der Erwerb und Betrieb von Fabriken der Metallindustrie jeglicher Art, sowie der Ankauf, die Herstellung und der Verkauf aller auf diese Industrie bezüglichen Rohprodukte, Neben- und Zwischenprodukte und Fabrikate." Zu Geschäftsführern wurden der Fabrikant Ernst Brune und Diplom-Ingenieur Julius Reinhard bestellt, die gemeinsam oder zusammen mit einem Prokuristen vertretungsberechtigt waren. Gesellschafter war neben Ernst Brune und Karl Theodor Sölling auch Julius Reinhard. [8] 

Julius Reinhard wurde in der Gesellschafterversammlung vom 29. Oktober 1914 aus der Geschäftsführung der Rhein. Hammerwerke GmbH abberufen. [9] Vermutlich stand die Abberufung als Geschäftsführer in Zusammenhang mit dem Beginn des I. Weltkriegs.  

Wann Julius Reinhard seine Anteile an der "Rhein. Hammwerke Gmbh" verkaufte, ist nicht bekannt. Im Jahr 1923 und auch noch 1932 waren die Hammerwerke noch in Betrieb [10]. Über die weitere Unternehmensentwicklung ist derzeit nichts bekannt.

Im Jahr 1909 war Julius Reinhard sodann Mitgründer der offenen Handelsgesellschaft "Viehweg, Claßen & Co. Gestein-Bearbeitungsmaschinen-Gesellschaft" in Essen. Neben Julius Reinhard waren Mitinhaber Oskar Viehweg und Peter Claßen. [11] Im April 1910 wurde die Gesellschaft in die "Gesteinbearbeitungsmaschinen-Gesellschaft mbH" eingebracht. Julius Reinhard bliebt weiterhin Gesellschafter und wurde wiederum als Geschäftsführer bestellt (zum Vergrößern auf den Artikel klicken). [12] Ende 1915 ging die Gesellschaft, möglicherweise kriegsbedingt, in Konkurs. [13]

Mitte Februar 1911 wurde Julius Reinhard zum Geschäftsführer der neu gegründete "Atlas Gesellschaft für Grubenausbau mit beschränkter Haftung" bestellt. Möglicherweise war Julius Reinhard zugleich auch Gesellschafter des Unternehmens. Gegenstand des Unternehmens war "[...] 1. die Ausbeutung und Verwertung von Erfindungen betreffend Grubenausbau, 2. Fabrikation, Verwertung und Vertrieb aller mit dem Gruben- und Hüttenbetrieb verwandter technischer Bedarfsartikel." [14] Das Geschäft der Atlas Gesellschaft scheint in der Folge, möglicherweise im Verlauf des I. Weltkriegs, zum Erliegen gekommen sein. Am 4. Ferbuar 1927 wurde des Gesellschaft schließlich von Amts wegen gelöscht. [15]

Nach dem I. Welkrieg, im Jahr Februar 1919, machte sich Julius Reinhard als Ingenieur selbständig unter der Firma "Dipl.-Ing. Julius Reinhard Ingenieur-Büro Essen". [16]

Es wird berichtet, dass das Ehepaar sein Vermögen in der Inflation der 1920er Jahren verlor. [17]

Deutsches Rotes Kreuz

Überliefert ist, dass sich Martha Reinhard ehrenamtlich beim Deutschen Roten Kreuz engagierte. Sie soll Vorsitzende des DRK in Essen gewesen sein. [17a] Im Jahr 1937 war sie Kreisgruppenführerin des DRK in Essen. [18]

Wohnorte des Ehepaares

Das Ehepaar lebte in Essen-Rüttenscheid. [19] In den Jahre 1910 und 1911 findet sich noch kein Adressbucheintrag für das Ehepaar in Essen.

Im Jahr 1912 wohnte das Ehepaar zunächst in der Hedwigstraße 56 (mit Fernsprecher). [20] Zumindest von 1913 bis 1936 wohnte das Ehepaar in der Moorenstraße 25 in Essen-Rüttenscheid. In den Jahren 1913-1914, 1918-1919 und auch noch im Jahr 1936 lautet der Adressbucheintrag (mit Fernsprecher) noch auf "Julius Reinhard, Diplom-Ingenieur", obwohl dieser bereits 1927 verstarb. Möglicherweise handelt es sich daher beim Eintrag im Jahr 1936 um das noch betriebene Ingenieurbüro des Julis Reinhard, denn unter derselben Adresse mit demselben Fernsprecher besteht zudem ein Eintrag einer Jul. Reinhard, Witwe. Vermutlich handelt es sich bei dieser Witwe Martha Reinhard geb. Heckmann. [21] Im Jahr 1950 lautet der Eintrag in der Moorenstraße nur noch "Witwe Julius Reinhard". [22]

Nach 1950 muss Martha Reinhard dann umgezogen sein, denn 1953 und auch noch 1958 ist sie mit der Adresse Erikapfad Nr. 2 in Essen geführt. [23] 

Tod des Ehepaares

Julius Reinhard "[...] nach langer schwerer Krankheit [...]" verstarb am 18. November 1927 in Essen. [24]

 Martha Reinhard verstarb am 14. Januar 1962 in Essen. [25]

 [1] Vgl. Sondermann et al. (1936): Sondermann 2., aus Langenberg im Rheinlande, in: Koerner, Bernhard (Hrsg.): Deutsches Geschlechterbuch Band 92, Görlitz, S. 505.

[2] Vgl. Sondermann et al. (1936): Sondermann 2., aus Langenberg im Rheinlande, in: Koerner, Bernhard (Hrsg.): Deutsches Geschlechterbuch Band 92, Görlitz, S. 505; Das Standesamt Bedburg-Hau kann keinen Eintrag einer Eheschließung Heckmann-Reinhard finden; Reinhard, Julius/Reinhard, Martha (1905): Vermählung, in: Kölnische Zeitung v. 8. Oktober 1907, Nr. 1047, S. 3.

[3] Vgl. o. V. (1876): Civilstand der Gemeinde Oberhausen, in: Rhein- und Ruhrzeitung v. 4. August 1876, Nr. 180, S. 3; o. V. (2023): Julius Reinhard, <https://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Reinhard>, Abrufdatum 5. Oktober 2023.

[4] Vgl. Schwartz (1878): Bekanntmachung zur Stadtratswahl, in: Rhein- und Ruhrzeitung v. 21. Oktober 1878, Nr. 274, S. 4; Königliches Amtsgericht Duisburg (1882): Berufung von Julius Reinhard in den Vorstand der Oberhausener Wasserwerk AG, in: Rhein- und Ruhrzeitung v. 22. März 1882, Nr. 69, S. 4; Haniel (1888): Wahl der Julius Reinhard zum Kreistagsabgeordneten, in: Rhein- und Ruhrzeitung v. 11. April 1888, Nr. 85, S. 4, o. V. (1888): Amtliche Nachrichten, in: Echo der Gegenwart v. 16. August 1888, Nr. 189, S. 1; Königliches Amtsgericht Oberhausen (1888): Erteilung Prokura an Julius Reinhard, in: Rhein- und Ruhrzeitung v. 31. Oktober 1888, Nr. 256, S. 4, Kreistag des Kreises Mülheim a. d. Ruhr (1890): Auszug aus dem Sitzungs-Protokoll, in: Rhein- und Ruhrzeitung v. 24. Mai 1890, Nr. 119, S. 1; Haumann (1890): Bekanntmachung zur den Ergänzungswahlen für das Stadtverordneten-Collegium, in: Rhein- und Ruhrzeitung v. 21. November 1890, Nr. 273, S. 4; Haniel (1890): Bekanntmachung zur Ergänzungswahl für den Kreistag, in: Rhein- und Ruhrzeitung v. 1. Dezember 1890, Nr. 281, S. 4; Conze (1896): Bekanntmachung zur Ergänzungswahl für den Kreistag, in: Mülheimer Zeitung v. 7. Dezember 1896, Nr. 288, S. 4; o. V. (1900): Personal-Chronik, in: Essener Volks-Zeitung v. 7. August 1900, Nr. 179, S. 2; Reinhard, Elise (1901): Sterbeanzeige Julius Reinhard, in: Kölnische Zeitung v. 22. November 1901, Nr. 912, S. 3.

[5] Vgl. Königliches Amtsgericht Oberhausen (1890): Handelsregistereintragungen zur Wihelm Grillo Gasfabrik, in: Rhein- und Ruhrzeitung v. 31. Januar 1890, Nr. 26, S. 3.

[6] Vgl. Sondermann, Hede (2006): Gespräch mit Chr. Thiesen, Siegen.

[7] Vgl. Reinhard, Martha (1927): Sterbeanzeige Julius Reinhard, in: Oberhausener Zeitung v. 20. November 1927, Nr. 328, S. 8.

[8] Vgl. Königliches Amtsgericht Essen (1906): Eintragung der  Rhein. Hammerwerke GmbH, in: Essener Volks-Zeitung v. 31. Oktober 1906, Nr. 252, S. 2; Scherl, A. (1913): Essener Adreßbuch 1913, Essen, S. 235.

[9] Vgl. Köngliches Amtsgericht Essen (1914): Abberufung des Julius Reinhard als Geschäftsführer der Rhein. Hammerwerke GmbH, in: Rheinisch-Westfälischer Anzeiger v. 17. November 1914, Nr. 318, S. 8.

[10] Vgl. Rhein. Hammerwerke GmbH (1923): Anzeige, in: Essener Arbeiter-Zeitung v. 25. Juni 1923, Nr. 125, S. 8; o. V. (1932): Mit dem Scheckbuch durchgegangen. Essener Lehrling in Frankfurt verhaftet, in: Bottroper Volkszeitung v. 26. August 1932, Nr. 235, S. 7.

[11] Vgl. Königliches Amtsgericht Essen (1909): Eintragung der Viehweg, Claßen & Co. Gestein-Bearbeitungsmaschinen-Gesellschaft, in: Kölnische Zeitung v. 20. Oktober 1909, Nr. 1107, S. 3.

[12] Vgl. Königliches Amtsgericht Essen (1910): Eintragung der Gestein-Bearbeitungsmaschinen-Gesellschaft mbH, in: Kölnische Zeitung v. 29. April 1910, Nr. 469, Beilage zur Abend-Ausgabe, S. 2.

[13] Vgl. o. V. (1915): Konkurs der Gestein-Bearbeitungsmaschinen-Gesellschaft mbH, in: Kölnische Zeitunng v. 31. Dezember 1915, Nr. 1324. Zweite Morgen-Ausgabe, S. 2.

[14] Vgl. Königliches Amtsgericht Essen (1911): Eintragung der Atlas Gesellschaft für Grubenausbau mbH, in: Kölnische Zeitung v. 23. Februar 1911, Nr. 206, Erste Morgen-Ausgabe, S. 4.

[15] Vgl. Amtsgericht Essen (1927): Löschung der Atlas Gesellschaft für Grubenausbau mbH, in: Essener Volks-Zeitung v. 13. März 1927, Nr. 71, S. 8.

[16] Vgl. Amtsgericht Essen (1919): Gründung Dipl.-Ing. Julius Reinhard Ingenieur-Büro Essen, in: Kölnische Zeitung v. 11. März 1919, Nr. 184, Abend-Ausgabe, S. 3.

[17] Vgl. Sondermann, Hede (2006): Gespräch mit Chr. Thiesen, Siegen.

[17a] Vgl. Sondermann, Hede (2006): Gespräch mit Chr. Thiesen, Siegen.

[18] Vgl. o. V. (1937): Das Deutsche Rote Kreuz in Zusammenarbeit mit der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft, in: Essener Anzeiger v. 26. März 1937, Nr. 34, S. 8.

[19] Vgl. Sondermann, Hede (2006): Gespräch mit Chr. Thiesen, Siegen.

[20] Vgl. Scherl, A. (1914): Essener Adreßbuch 1914, Essen, S. 242.

[21] Vgl. Scherl, A. (1913): Essener Adreßbuch 1913, Essen, S. 235; Scherl, A. (1914): Essener Adreßbuch 1914, Essen, S. 242; Scherl, A. (1918): Essener Adreßbuch 1918, Essen, S. 317; Scherl, A. (1919): Essener Adreßbuch 1919, Essen, S. 314;  Scherl, A. (1936): Essener Adreßbuch 1936, Essen. S. 466; Reinhard, Martha (1927): Sterbeanzeige Julius Reinhard, in: Oberhausener Zeitung v. 20. November 1927, Nr. 328, S. 8.

[22] Vgl. Scherl, A. (1950): Essener Adreßbuch 1950, Essen, S. 363; Scherl, A. (1958): Essener Adreßbuch 1958, Essen, S. 711.

[23] Vgl. Hoppenstedts Wirtschaftsverlag (1953): Essener Adressbuch 1953, Essen, S. 596; Scherl, A. (1958): Essener Adreßbuch 1958, Essen.

[24] Vgl. Reinhard, Martha (1927): Sterbeanzeige Julius Reinhard, in: Oberhausener Zeitung v. 20. November 1927, Nr. 328, S. 8.

[25] Quelle unbekannt.
Share by: