Eleonore Sondermann   

Eleonore Sondermann wurde in Gummersbach am 11. April 1844 geboren. Sie war die älteste Tochter des Johann Christian Sondermann (1818-1895) und der Henriette Pickhardt (1820-1881).


Ehe mit Gustav Hengstenberg

 

Gustav Hengstenberg

Eleonore Sondermann heiratete am 21. Oktober 1864 in Gummersbach Gustav Hengstenberg, der ein Sohn des Heinrich Hengstenberg und der Regina Elisabeth Pulvermacher war. Heinrich Hengstenberg war Besitzer der Gutes "Vor der Hardt" bei Lieberhausen.





Das Ehepaar Sondermann-Hengstenberg hatte sechs Kinder, von denen zwei früh verstarben:

  1. Gustav Hengstenberg (1866-1868)
  2. Adele Hengstenberg (1869)
  3. Henriette Eleonore Regine Hengstenberg (1871)
  4. Christian Heinrich Hengstenberg (1872)
  5. Adolf Eugen Hengstenberg (1877-1882)
  6. Paul Max Hengstenberg (1881)

Zur Geburt des Sohnes Gustav Hengstenberg inseriert das Ehepaar im Gummersbacher Kreisblatt folgende Anzeige [1a]:

 

 

 

 

Geburtsanzeige Gustav Hengstenberg


Hengstenberg & Sondermann

Noch vor seiner Heirat gründete Gustav Hengstenberg zusammen mit August Sondermann, einem Vetter seiner Frau, am  13. November 1863 die Handelsgesellschaft "Hengstenberg & Sondermann zu Gummersbach" [1b]. Die Gründung erfolgte genau eine Woche vor Gründung der "Sessmarer Spinnerei und Weberei" durch F. W. Sondermann junior.

Circa ein halbes Jahr (Mai 1864) nach der Gründung nimmt die Gesellschaft an der Gründung eines Gewerbegerichts für den Kreis Gummersbach teil [2]. Siehe dazu ausführlicher die Erläuterungen zum Leben des F. W. Sondermann junior.

Wie Anzeigen im Gummersbacher Kreisblatt erahnen lässt, wurde die Gesellschaft als Wirkerei und Näherei in Gang gesetzt. Kurz nach der Gründung wurde es zudem angegangen, die Fabrik wesentlich zu erweitern:

Zu Beginn der Unternehmenstätigkeit wurden im Mai 1864 Tuche zum Verkauf angeboten [3]:

Angebot grünes Tuch


Daraufhin suchten Gustav Hengstenberg und August Sondermann am 4. Juni 1864 sowie am 3. September 1864 in der Gummersbacher Zeitung nach Arbeitskräften für das neue Unternehmen und zwar Rundstuhl-Weber sowie Jacken-Näherinnen [4]:

Anzeige Rundstuhlweber

 

Anzeige Jackennäherinnen

Wo genau die Spinnerei "Hengstenberg & Sondermann" in Gummersbach betrieben wurde, ist noch nicht geklärt. 

Die Handelsgesellschaft hatte indes nicht lange Bestand, denn am 28. April 1865 wurde im Handelsregister eingetragen, "[...] daß die zwischen den Kaufleuten und Fabrikanten Gustav Hengstenberg und August Sondermann in Gummersbach am dortigen Platze bestandene Handels-Gesellschaft unter der Firma "Hengstenberg u. Sondermann" [...] aufgelöst worden ist." Mit Auflösung der Firma erfolgte die Eintragung einer Handelsniederlassung durch den Kaufmann und Fabrikanten Gustav Hengstenberg unter der Firma "Gust.Hengstenberg" [5].

Auflösung der Handelsgesellschaft "Hengstenberg & Sondermann"


Sonstiges

Gustav Hengstenberg war Mitglieder der Gummersbacher Gesellschaft "zur Eintracht". [6]

Im Jahr 1872 war Gustav Hengstenberg Agent, d. h. Vertreter, für ein derzeit unbekanntes Unternehmen. [7]

Am 30. Januar 1872 meldet Eleonore Hengstenberg eine Firma unter ihrem Namen an und erteilt sogleich ihrem Mann Gustav Hengstenberg Prokura. [8]

Anmeldung der Firma E. Hengstenberg zum Handelsregister


Wohnhaus in der Winterbecke

Das ehemalige Haus Hengstenberg in der Winterbecke im Jahr 2004

Wie aus einem erhaltenen Vertrag aus dem Jahr 1875 hervorgeht, errichtete Eleonore Hengstenberg geb. Sondermann kurz vor 1875 ein Wohnhaus neben dem von ihrem Großvater Johann Wilhelm Sondermann im Jahr 1813 errichtete Wohn- und Fabrikhaus in der Winterbecke. [9]

Wie das Winterbecker Wohn- und Fabrikhaus wurden im Jahr 1875 von Ernst Pickhardt  auch die Rechte an dem Haus Hengstenberg an Henriette Sondermann geb. Pickhardt veräußert, allerdings mit der Auflage, dass diese die Ansprüche ihrer Tochter Eleonore Hengstenberg aus der Errichtung des Hauses zu befriedigen habe. Wie die weitere Abwicklung dieser Vertragsbestimmung aussah, ist nicht bekannt. Da indes Eugen Sondermann im Jahr 1916 drei Häuser an seine Schwester Clara Sondermann vererbt, ist es nahe liegend, dass Eleonore Hengstenberg zu einem unbekannten Zeitpunkt, vermutlich nach dem Tod ihres Mannes um 1892, ihr Haus an ihren Bruder Eugen Sondermann verkaufte.

Das Haus steht noch heute (2016), wenn auch in seinem äußeren Erscheinungsbild grundlegend verändert.


Hotel Hengstenberg

Das Ehepaar Sondermann-Hengstenberg erwarb das "Hotel Bergischer Hof", das an der Kaiserstraße in Gummersbach stand, schräg gegenüber dem Kolonialwarengeschäft von F. W. Sondermann, ebenfalls einem Onkel der Eleonore Hengstenberg.

Das Ehepaar kaufte den Bergischen Hof wahrscheinlich von der Witwe August Arndt, die noch auf einer Situationskarte aus dem Jahr 1858 als Eigentümerin eingezeichnet ist. [9a] Bereits 1790 war der Gasthof als Gasthof Brölemann bekannt. [9b]  Die Witwe Arndt wird im Gummersbacher Kreisblatt letztmalig Anfang 1866 als Gastwirtin erwähnt, danach findet sich keine Erwähnung mehr. Entsprechend ist davon auszugehen, dass das Ehepaar Sondermann-Hengstenberg den Gasthof kurz nach ihrer Heirat und nach dem Versuch als Fabrikanten Fuß zu fassen, erworben haben.

Das "Hotel Bergischer Hof" war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts der gesellschaftliche Mittelpunkt Gummersbachs. So war bspw. der Koadjutor des Kölner Erzbischofs im Jahr 1843 Gast im Hotel als er die kleine katholische Gemeinde der Stadt besuchte. [10]

Das Hotel wurde über die Oberbergischen Grenzen hinaus bekannt für seine gute Küche. [10a] Es verfügte über zwei Säle - der Spiegelsaal und das große Billiardzimmer -, die ebenfalls Gäste anzogen. Im Spiegelsaal, der hinter dem Hotel stand, wurden Bälle veranstaltet, aber auch Theaterstücke, Opernarien etc. einstudiert und aufgeführt. Der Saal brannte allerdings 1881 nieder.  [11]

Im Jahr 1882 plant Gustav Hengstenberg indes, den Neubau eines Saals sowie eines "Logirhauses" wie aus unten abgebildetem Auszug des Bauantrags hervorgeht. [11a]

Situationsplan von 1882 zum Neubau von Saal und "Logirhaus" des Hotel Hengstenbergs


Wann vom Ehepaar Sondermann-Hengstenberg das Hotel aufgegeben bzw. verkauft wurde, ist nicht bekannt. Gustav Hengstenberg verstarb allerdings 1892, sodass die Aufgabe wohl in die 1890er Jahre fiel. Um 1900 war das Hotel Hengstenberg bereits im Besitz des Carl Pellenz. [12] Das Haus wurde im Jahr 1965 im Zuge der Flächensanierung "Bergischer Hof" abgerissen. [13]

Hotel Hengstenberg um 1900 (Das bis an die Straße vorgebaute Haus im Hintergrund, bereits im Besitz des Carl Pellenz.)


Hotel Hengstenberg um 1905 - bereits im Besitz des Carl Pellenz


Die Nachfolge des Hotels (nach Brand des Saals oder Tod des Gustav Hengstenbergs) als gesellschaftlicher Mittelpunkt Gummersbachs trat der benachbarte Gasthof Gustav Heuser an. Gustav Heuser hatte seinen Gasthof im Jahr 1857 von Louis Sondermann, einem Onkel der Eleonore Hengstenberg erworben. [13a]


Tod des Gustav Hengstenberg

Gustav Hengstenberg verstarb Ende des Jahres 1892. Er wurde nur 55 Jahre alt. In den Unterlagen der Familie haben sich zwei Todesanzeigen erhalten, die davon zeugen, dass er einem "langem, schweren Leiden" erlag [14]:

Todesanzeige Gustav Hengstenberg

 

Todesanzeige Gustav Hengstenberg


Tod der Eleonore Hengstenberg

Eleonore Hengstenberg geb. Sondermann verstarb am 20. September 1899 in Wetzlar. Nach Wetzlar war Eleonore Sondermann in den letzen Jahren ihre Lebens gezogen, da ihre Tochter Eleonore Krafft geb. Hengstenberg dorthin verheiratet war [15]:

Todesanzeige Eleonore Hengstenberg


Familiengrab Hengstenberg

Das Ehepaar Hengstenberg-Sondermann wurde auf dem Alten Friedhof in Gummersbach beigesetzt. [16] Die Grabstätte ist nicht mehr erhalten. [17]

Grabstätte Hengstenberg auf dem Alten Friedhof in Gummersbach

[1a] Vgl. Hengstenberg, Gustav/Hengstenberg, Eleonore (1865): Geburtsanzeige Gustav Hengstenberg, in: Gummersbacher Kreisblatt, Nr. 24, S. 4.

[1b] Vgl. Hengstenberg, Gustav/Sondermann, August (1863): Anmeldung zum Handelsregister der Firma „Hengstenberg & Sondermann“, in: Handels-Register u. Anzeige-Blatt zum Central-Organ, zweiter Band, 1863, Nr. 49, S. 179.

[2] Vgl.  Versammlung der Fabrikanten des Kreises Gummersbach (1864): Beschluss zur Gründung eines Gewerbegerichts, in: Gummersbacher Kreisblatt v.11. Mai 1864.  Siehe dazu ausführlicher die Erläuterungen zum Leben des F. W. Sondermann junior.

[3] Vgl. Hengstenberg & Sondermann (1864a): Anzeige Verkauf grünes Tuch, in: Gummersbacher Kreisblatt, Nr. 41, S. 4 sowie Nr. 42, S. 3.

[4] Hengstenberg & Sondermann (1864b): Suchanzeige Rundstuhlweber, in: Gummersbacher Kreisblatt v. 4. Juni 1864; Hengstenberg & Sondermann (1864c): Suchanzeige Jacken-Näherinnen, in: Gummersbacher Kreisblatt, Nr. 71 v. 3. September 1864, S. 4.

[5] Vgl. Hengstenberg, Gustav/Sondermann, August (1865): Anmeldung der Auflösung der Firma „Hengstenberg & Sondermann“, in: Beilage zum Königlich Preußischen Staatsanzeiger, Nr. 104 vom 3. Mai 1865.

[6] Vgl. Gesellschaft zur Eintracht (1892): Todesanzeige Gustav Hengstenberg, Gummersbach.

[7] Vgl. Hengstenberg, Eleonore (1872): Anmeldung Handelsregister Firma „E. Hengstenberg“ und Erteilung Prokura an Gustav Hengstenberg, in: Deutscher Reichsanzeiger und Königlich Preußischer Staatsanzeiger, 1872, Zweite Beilage zu Nr. 30 v. 3. Februar 1872, S. 680.

[8] Vgl. Hengstenberg, Eleonore (1872): Anmeldung Handelsregister Firma „E. Hengstenberg“ und Erteilung Prokura an Gustav Hengstenberg, in: Deutscher Reichsanzeiger und Königlich Preußischer Staatsanzeiger, 1872, Zweite Beilage zu Nr. 30 v. 3. Februar 1872, S. 680.

[9] Vgl. Werner, Johann Heinrich Wilhelm (1875): Notariell beurkundeter Kaufvertrag zwischen Ernst Pickhardt und Henriette Sondermann geborene Pickhardt über das Stammhaus der Familie Sondermann in der Winterbecke, Gummersbach.

Auf dem Vertrag beigefügten Situationskarten sind zwei Häuser neben dem Wohn- und Fabrikhaus einzeichnet: Das unmittelbar neben dem Wohn- und Fabrikhaus eingezeichnete Haus kann nicht das im Vertrag erwähnte, von Eleonore Hengstenberg neu erbaute Wohnhaus sein, da dieses Haus bereits auf einer Fotografie von Gummersbach um 1850 zu sehen ist. Bei dem von Eleonore Hengstenberg neu erbauten Wohnhaus muss es sich daher um das weiter entfernte Haus handeln, zumal dieses Haus auf der Fotografie von 1850 nicht zu sehen ist. Da es im Vertrag als "neu erbaut" bezeichnet wird, muss es kurz vor 1875 errichtet worden sein.

[9a] Vgl. o. V. (1858): Situationskarte zur Vergrößerung des Hauses des Wilhelm Christoph Viebahn in Gummersbach mit Notizen von Jürgen Woelke.

[9b] Vgl. Woelke, Jürgen (1975): Alt Gummersbach – in Zeitgenössischen Bildern und Ansichten, Band 1, Gummersbach, S. 65.

[10] Vgl. Woelke, Jürgen (1975): Alt Gummersbach – in Zeitgenössischen Bildern und Ansichten, Band 1, Gummersbach, S. 65.

[10a] Vgl. etwa auch Hardt, August (1954): Erinnerungen an die Gesellschaft zur Eintracht, Gummersbach (um 1890-1895), elektronisches Archiv, der berichtet, dass die Gummersbacher Gesellschaft zur Eintracht ihre Räumlichkeiten zwar beim Gastwirt Heuser hatte, aber das Essen zur Kaiser- Geburtstagsfeier des Jahres 1891 im benachbarten Hotel Hengestenberg zubereitet wurde.

[11] Vgl. Woelke, Jürgen (1975): Alt Gummersbach – in Zeitgenössischen Bildern und Ansichten, Band 1, Gummersbach, S. 65.

[11a] Vgl. Hengstenberg, Gustav (1882): Situations-Plan über die von dem Herrn Gustav Hengstenberg projectirten Neubauten, Gummersbach.

[12] Vgl. Woelke, Jürgen (1975): Alt Gummersbach – in Zeitgenössischen Bildern und Ansichten, Band 1, Gummersbach, S. 63.

[13] Vgl. Woelke, Jürgen (1975): Alt Gummersbach – in Zeitgenössischen Bildern und Ansichten, Band 1, Gummersbach, S. 65.

[13a] Vgl. Woelke, Jürgen (1975): Alt Gummersbach – in Zeitgenössischen Bildern und Ansichten, Band 1, Gummersbach, S. 65.

[14] Familie Hengstenberg (1892): Todesanzeige Gustav Hengstenberg, Gummersbach u. a.; Gesellschaft zur Eintracht (1892): Todesanzeige Gustav Hengstenberg, Gummersbach.

[15] Familien Hengstenberg und Krafft (1899): Todesanzeige Eleonore Hengstenberg, Wetzlar.

[16] Vgl. o. V. (o. J.): Notiz zur Familiengrab Hengstenberg auf der Rückseite einer Fotografie, ohne Ort.

[17] Um 2010 war die Grabstätte nicht mehr auf dem Friehof vorhanden.