Wohn- und Fabrikhaus in der Winterbecke nach 1857

Das im Jahr 1813 von J. W. Sondermann errichtete Wohn- und Fabrikhaus in der Winterbecke.


1857: Das im Jahr 1813 errichtete Wohn- und Fabrikhaus in der Winterbecke wird von J. W. Sondermann offenbar an den jüngsten Sohn Johann Christian Sondermann vererbt.

1868Johann Christian Sondermann verkauft das Haus am 30. Januar 1868 an Ernst Pickhardt. [1]

1875: Die Frau des Johann Christian Sondermann, Henriette geb. Pickhardt, erwirbt das Winterbecker Haus am 28. September 1875 zurück. [1]

1881: Nach dem Tod der Henriette Sondermann geb. Pickhardt im Jahr 1881 geht das Haus vermutlich zunächst auf ihren Mann Johann Christian Sondermann über.

1895Johann Christian Sondermann vererbt das Haus an seine Kinder.

nach 1895: Der Sohn Eugen Sondermann zahlt laut Eugenie Hentze sämtliche seiner Geschwister aus. [1a]

1902: Das Haus ist im Eigentum der Söhne Sondermann, vermutlich des Eugen und des Wilhelm Sondermann. So ist aus unten abgebildeter Situationskarte aus dem Jahr 1902, die wahrscheinlich in Zusammenhang mit einem Ausbau der Hohe Straße angefertigt wurde, ersichtlich, dass es als "Gebr. [Gebrüder] Sondermann" bezeichnet wird [1b].  Wilhelm Sondermann verstirbt im Jahr 1910 unverheiratet und kinderlos. Möglicherweise vererbt dieser seinen Hausanteil an seinen Bruder Eugen und wird nicht von diesem ausgezahlt.

Situationskarte der Winterbecke aus dem Jahr 1902 mit dem Wohnhaus der Gebrüder Sondermann

1910/11: Wahrscheinlich ist noch eine Fabrik im Haus angesiedelt.

1911: Das Haus trägt die Nummer Kaiserstraße 94.

1913: Eugen Sondermann wohnt in der Kaiserstraße 94.

1916: Eugen Sondermann verstirbt unverheiratet und kinderlos und vererbt das Haus an seine Schwester Clara Sondermann.

1926: Die Hausnummer wird in 83/85 geändert. Das Nebenhaus nach Windhagen hin trägt die Nummer 87.

1926: Clara Sondermann, Eugenie Hentze geb. Sondermann und deren Tochter Eugenie Hentze bewohnen das Haus.

1933Clara Sondermann vererbt das Haus an ihre Nichte Eugenie Hentze.

Das verschneite Haus vom Steinberg aus gesehen.


1954: Eugenie Hentze verkauft das Haus im Oktober 1954 an Arthur Sondermann für ca. 20.000 DM. Eugenie Hentze, durch die Inflation um ihr Vermögen gebracht, konnte das Geld für notwendige Reparaturen nicht aufbringen. Der Kaufpreis wird verrentet. Lebenslanges Wohnrecht wird zugesichtert.

Das Winterbecker Haus von der Hohe Straße aus gesehen im Jahr 1954.


1968:  Das Wohnrecht der Eugenie Hentze wird gelöscht. Eugenie Hentze wohnt mittlerweile im Altersheim.

1970: Bereits im Jahr 1970 wurde im Zuge der mit dem Ausbau verbundenen Instandsetzungsarbeiten an der Ortsdurchfahrt B 256 Richtung Windhagen die Einmündung Hohe Straße in die Kaiserstraße verbreitert. Dazu wurde das für Gummersbach geschichtsträchtige Winterbecker Haus zur Hälfte [2] abgebrochen (2. Juli 1970). Das Teichgelände wurde zugeschüttet. [3] Das Rheinische Denkmalamt interessierte sich damals sehr für den noch bestehenden Schacht, d. h. offenbar die Radkaue, für ein besonders großes dreifaches Mühlrad. [4] Die Radkaue wurde aber lediglich vermessen. [5] 

Das Winterbecker Wohn- und Fabrikhaus im Jahr 1970 kurz vor seinem Abbruch


Ein vollkommen neuer Blick tut sich auf.


1970: Im Dezember verstirbt Eugene Hentze.

1986: Noch im Jahr 1986 steht das Haus zur Hälfte unter der Adresse Kaiserstraße 87 [6].

1996: Die Erbengemeinschaft Arthur Sondermann verkauft das verbleibende Grundstück und Gebäude an einen fremden Dritten.

zwischen 1996 und 2004: Abriss der verbleibenden Hauses und Errichtung eines Neubaus.

Es haben sich keine Innenaufnahmen des Hauses erhalten. Aufgrund von Erzählungen konnte indes folgender Grundriss des Erdgeschosses des von der Straße aus gesehen rechten Teils des Haues skizziert werden:

Grundriss des rechten Teils des Winterbecker Hauses


Ein Übergang zum von der Straße aus gesehenen linken Teil des Hauses war im Erdgeschoss noch im Dachgeschoss vorgesehen. Nur im Keller war ein Verbindung vorhanden. Eine Toilette war im Keller eingerichtet (, deren "Sumpf" regelmäßig geleert wurde). 

Im Flur ging eine sehr steile Treppe ins Obergeschoss. Weiterhin wird berichtet, dass im Obergeschoss mehrere Zimmer angelegt waren, die als Schlafzimmer genutzt wurden. Diese waren klein im Vergleich zu den großzügigen Räumen des Erdgeschosses. Weder zur Anzahl der Zimmer noch zum Grundriss des Obergeschosses sind überliefert. [7]

Das Nachbarhaus (Nr. 87) hatte keinen Tiefkeller. Der Keller des Hauses war kaum mannshoch. [8]

[1] Vgl. Werner, Johann Heinrich Wilhelm (1875): Notariell beurkundeter Kaufvertrag zwischen Ernst Pickhardt und Henriette Sondermann geb. Pickhardt über das Stammhaus der Familie Sondermann in der Winterbecke, Gummersbach.

[1b] Vgl. Hentze, Eugenie (1957): An meine Erben!, Gummersbach.

[1a] Vgl. o. V. (1902): Situationskarte der Winterbecke, Gummersbach.  

[2] Vgl. o. V. (1986): Vor hundert Jahren, in: Festschrift Schützen- und Volksfest Gummersbach, Gummersbach, S. 27.

[3] Vgl. o. V. (1970): Stand in der Winterbecke der erste Gummersbacher Textilbetrieb? Wo der Bach ehemals eine Lohmühle betrieb, in: Oberbergische Volks-Zeitung, Gummersbach.

[4] Vgl. o. V. (1986): Vor hundert Jahren, in: Festschrift Schützen- und Volksfest Gummersbach, Gummersbach, S. 27.

[5] Vgl. o. V. (1970): Stand in der Winterbecke der erste Gummersbacher Textilbetrieb? Wo der Bach ehemals eine Lohmühle betrieb, in: Oberbergische Volks-Zeitung, Gummersbach.

[6] Vgl. o. V. (1986): Vor hundert Jahren, in: Festschrift Schützen- und Volksfest Gummersbach, Gummersbach, S. 27.

[7] Vgl. Thiesen (2007): Gespräch mit Gisela Hentze; Thiesen (2016): Gespräch mit Renate Löffler.

[8] Vgl. Woelke (2017): E-Mail an C. Thiesen.